Da war ich also, gewaltsam entführt, nicht von etwas Geringerem oder Klischeehafterem als dem Mondlicht selbst, das mich in etwas verwandelte, das weder ganz Mensch noch ganz Wolf war, aber voll und ganz dem Heulen gegen die ordentliche Tyrannei der Logik verschrieben, hineingeworfen in eine Existenz, selig frei von Vernunft und kritischem Denken.Es ist ein edler Zustand, wirklich, dieser poetische Schwebezustand des Unglaubens, das heilige Sakrament für uns Schreiberlinge, die dem wilden Ruf der Erzählung verfallen sind. Kein Platz für kritisches Denken in diesem Raum.Nur roher Erzählglaube, der durch die Krallen des Schreibwolfs blutet, eine wahnsinnige Muse, die den Mond anheult in einer Welt, die längst aufgehört hat, Sinn zu ergeben.
Und so war es, zur absurden Stunde des Wolfs, unter dem spöttischen Blick des Mondes im hässlichen Aufbrechen der Morgendämmerung, am 19. Mai 2025, da schoss eine lächerliche und doch fesselnde Frage in meinen delirierenden Geist: Wie lange würde es eigentlich dauern, einmal über die gesamte Mondoberfläche zu hüpfen? Und wie elegant könnte ein widerwilliger Held in dieses absurde Szenario hineinrutschen?
Ich warf die Frage einer allwissenden KI an den Kopf, deren Tonfall etwas zu sehr grinste; die Mathematik war verdächtig glaubwürdig. Durchschnittlicher Mondhüpfer: sechs Meter. Mit Schub? Zwölf. Achtunddreißig Ruhepausen. Die Mathematik ist solide genug. Die Wahrheit? Völlig durchgeknallt, aber real.
Es sind diese kaffeebeschleunigten, cannabisdurchtränkten Sessions, in denen ich Plots entwickle und Beats baue, den kreativen Schubregler auf elf drehend, vielleicht auch auf zwölf, wie es meine wunderbar entnervte Psychoanalytikerin empfiehlt, eine Frau, die einst glaubte, es gebe Hoffnung, meine Neigung zu Extremen zu heilen.
Ich hatte zwei ununterbrochene Wochen Alleinzeit, um die Heldenreise zu beenden. Die Sprint-Planning-Meetings starten gegen fünf, plus/minus eine Stunde, denn Zeit ist, wie Werwolfverwandlungen, berüchtigt unzuverlässig.Meine ritualisierten Schreibsitzungen begannen im dunklen Morgengrauen, präzise oder vage, um fünf oder vielleicht halb sechs, auf einem Campingstuhl auf dem Balkon, hockend wie ein abtrünniger Hinterhof-Hacker oder zerzauster Prophet, hackend in ein Notizbuch auf den Knien wie auf einem verrückten Altar.
Regenjacke bis zum Hals geschlossen, Kapuze auf wie ein flüchtiger Hacker. Der Wind ist immer scharf. Schneidet durch die Knochen. Eine Hand an einer Dose batterie-sauren Energy-Drinks. Die andere halb einem Joint verpflichtet. Verbrannte Nerven und Koffein, die heiligen Zwillingsschlangen des Fortschritts.
Dies ist die Plotgrube. Das Inferno der Beat-Struktur.
Währenddessen kam ein neues Sofa an. Ein edles Miststück, ausgestattet mit einem dieser glorreich überflüssigen elektrischen Liegesesselmodule.
Der Moment vor dem Sprung. Und ich musste meinen Helden vom Sofa stoßen, mehr als ein Stoß, ein gottverdammter kosmischer Tritt.
Eine Novelle wie ein Uhrwerk in Brand gesetzt. Ein langsames Kriechen ins Blutbad.
Meine Satire wurde tiefer, verwandelte sich in eine wilde Abrechnung mit Politik, Gesellschaft und Technologie.
Und doch fühlte es sich seltsamerweise nie ganz wie Science-Fiction an, eher wie eine freudige, brutale Satire, so bizarr und echt wie mondlichtgetriebene Lykanthropie selbst.
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